Die Rote Gefahr oder: Lieber eine dreckige Jacke als ein dreckiger Gitarrengurt… – 31. März 1979

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Gefahr”

Es war voll früh. Meine Mutter riss die Tür auf und schrie, dass der Umzugswagen da sei, und obwohl die Umzugsleute ja dafür bezahlt werden, stand mein Vater aus lauter Solidarität im Blaumann da. Handwerker seien da sehr empfindlich, wenn man so täte, als sei man besser als sie. Nach einem kleinen Streit mit dem guten Mann, blieb ich einfach im Bett liegen und ließ die Umzugsleute um mich herum werkeln, ich hatte da kein schlechtes Gewissen, denn immerhin war ich später als die im Bett gewesen, also dürfte ich natürlich auch länger schlafen. Als die Herren wieder weg waren, wollte meine Mutter, dass ich sofort mit dem Auspacken anfangen würde, mir war aber klar, dass ich beim kleinsten Versuch, aufzustehen, sofort kotzen müsste. Ich schlief noch bis 16:45 Uhr, guckte dann und legte mich noch eine Stunde hin, nachdem ich das erste Mal die Tapete in meinem Zimmer gesehen hatte. Meine Mutter hatte recht, es war ganz klar, dass hier eine von diesen modernen Raufasertapeten ran musste. Und weiß musste sie sein. Oder sogar schwarz. Dann stand ich auf und öffnete den Karton, in dem ich meine Stereoanlage eingepackt hatte. Die hatte ich einst zur Konfirmation bekommen. Jeder hatte die Konfirmation nur gemacht, um eine Stereoanlage zu kriegen.

Ich baute die Stereoanlage von Schneider auf einem der Kartons auf und suchte aus einem anderen meine Schallplatten raus. Ich legte dann „The Scream“ von Siouxsie And The Banshees auf und hörte das, allerdings in gedämpfter Lautstärke, da ich immer noch sehr lärmempfindlich war. Irgendwie musste ich die Zeit bis zum Abendessen totschlagen, danach wollte ich wieder Richtung Fabrik geben, um möglichst diesen Typen von gestern zu treffen. Ich hoffte, ich würde ihn wiedererkennen. Vielleicht würde er mir noch ein paar interessante Plätze hier in Hamburg zeigen. Meine Eltern ließen mich wenigstens in Ruhe, niemand klopfte mehr an meine Tür.

Nach dem ansonsten sehr wortlos von statten gehenden Abendessen verschwand ich sofort. Mir war klar, dass ich viel zu früh war, doch ich musste raus aus der Wohnung und die frische Luft hatte ich auch dringend nötig. Langsam ging ich zur Fabrik, holte mir unterwegs Zigaretten und rauchte eine. Es schmeckte wie immer widerlich, ich wusste gar nicht, warum ich ständig rauchen musste, eigentlich war das gar nicht nötig, machte einen doch nur krank, jedenfalls hörte man das ja immer wieder. Aber egal, es musste jetzt einfach sein. Ein junger Mann meines Standes musste so etwas auch tun, das gehörte sich einfach so. Aus einem Imbiss holte ich mir ein Sechserpack Bier, dann setzte ich mich vor der Fabrik auf den kleinen Platz und machte es mir erst einmal gemütlich. Ich war froh, dass ich mich einigermaßen warm angezogen hatte, denn es wurde arschkalt. Und das Bier wärmte auch nicht gerade. Liebend gerne hätte ich einen wärmenden Kaffee getrunken, aber ich hatte nun mal Bier gekauft. Mir war klar, dass das Warten womöglich sehr lange dauern könnte, mit etwas Pech hätte der Typ eh glatt vergessen, dass wir uns hier treffen wollten. Oder er erkannte mich gar nicht. Oder wir erkannten uns nicht. Es gab so viele Möglichkeiten, dass wir uns verpassten. Man weiß ja nie, was so alles passieren kann.

Da es April seit heute war, war es inzwischen auch stockdunkel, und bitterkalt war es zudem. Ich dachte über Julia nach, die mich angeblich über alles liebte. Warum aber hatte sie dann heute nicht angerufen? Interessierte es sie womöglich überhaupt nicht, was hier los war, wie es ihrem ach so tollen Schatz erging? Hatte sie vielleicht schon einen Neuen? So schnell? So sind die Frauen halt. Mir sollte es aber nur recht sein, ich war immer noch der Meinung, dass so eine Fernbeziehung keinerlei Chance hätte und vielleicht hatte ich Glück und sie meldet sich einfach nicht mehr, sodass ich nunmehr frei wäre. Doch trotzdem ärgerte es mich, dass sie sich nicht meldete.

Ich trank bereits mein drittes Bier, es war so gegen 22 Uhr, als der Kerl endlich kam. Zumindest glaubte ich, dass er es war…

Wie BILD bei der Präsidentensuche 2004 titelte…

wahnsinn_spezialGibt es einen treffenderen Kommentar nach dem Rücktritt von Frau Wulff und ihrem Präsidentengatten und der jetzt startenden Suche nach einem Nachfolger?

Meldungen aus einer wahnsinnigen Welt Teil 3

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Die Rote Gefahr oder: Lieber eine dreckige Jacke als ein dreckiger Gitarrengurt… – 31. März 1979

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Dann waren wir endlich in der “Fabrik”. Die Band spielte schon, die Leute tanzten wie die Blöden. Es war so laut, sodass wir uns kaum unterhalten konnten, wir mussten uns aus vollem Halse in die Ohren gröhlen, aber es ging. Wir sprachen über Musik, PVC, Hilsberg und der Typ vertraute mir an, dass er selbst auch in einer Band spielte. Meine hatte sich nach meinem Weggang aus Berlin leider total erledigt, ich musste hier in Hamburg auch dringend ein paar Leute finden. Dann war erst einmal Stille, zumindest zwischen uns, denn die Band da vorne – wir wussten immer noch nicht, wer das war – brach wahrscheinlich alle Lautstärkerekorde.

Das war gut, wir guckten uns eine Schlägerei an, die erst im Saal und dann draußen sich abspielte, tranken Bier, holten uns was aus einem Imbiss und sprachen kein Wort, da bahnte sich eine Männerfreundschaft an. Gegen zwei Uhr wollte ich nach Hause, ich war mittelschwer betrunken und fragte den Typen nach seiner Telefonnummer, falls man mal was zusammen trinken wolle. Trinken fand er gut. Ich auch.

Ich ging von dannen, schwankte nach Hause und hatte Glück, dass ich es wiederfand, unsere neue Wohnung in der Stresemannstraße. Ich erkannte die Tür an der Eckkneipe in der Nähe. Ich schlich mich in die Wohnung und hatte Glück, dass ich nirgendwo anstieß. Wenn jetzt meine Eltern hier erscheinen würden, beziehungsweise meine Mutter, mein Vater würde niemals freiwillig aufstehen, würde es Ärger geben. Da fiel mir ein, dass ich gar nicht wusste, wie der Typ von vorhin überhaupt hieß. Ich war mir auch gar nicht sicher, ob ich ihn überhaupt wiedererkennen würde.

Es war mittlerweile halb vier. Ich mochte kein Licht anmachen, ich wusste nicht, in welchem Zimmer meine Eltern sich niedergelassen hatten, denn die Möbel waren ja noch nicht gekommen. Ich schlich mich im Dunkeln in mein Zimmer, schloss die Tür und machte erst einmal Licht. Meine Eltern hatten mir eine Luftmatratze hingelegt, doch leider war die noch nicht aufgepustet. Das war wohl ihre kleine Strafe, weil sie es nicht gut fanden, dass ich am ersten Abend mich schon aus dem Staub machte. Ich hatte leider auch keinerlei Lust, das Ding aufzupumpen, obwohl der Püsterich schon in Position stand. Ich war einfach zu blau dafür und packte mich auf die flaue Matratze, damit es wenigstens etwas weich war. Als ich kurz darauf wieder wach wurde, merkte ich, dass ich vergessen hatte, das Licht auszumachen. Das war mir auch egal, dieser ganze Umzug deprimierte mich irgendwie. Ich wäre viel lieber in Berlin geblieben.

Insbesondere, dass ich alle meine Freunde zurücklassen musste. Und dann war da noch Julia, meine Freundin. Auch die ist in Berlin geblieben. Ich glaubte ja nicht, dass das geht, aber sie war überzeugt davon, dass wir eine Fernbeziehung führen könnten. Sie liebte mich sehr, das beteuerte sie mir ständig, und sie zwang mich auch am laufenden Band, ihr die unterwürfigsten Liebesschwüre zu hauchen. Ich hatte ihr angedeutet, dass ich nicht daran glaubte, dass es auf diese riesige Entfernung klappen könnte, doch sie war nicht davon zu überzeugen, dass unsere Liebe den Bach runtergehen würde. Elende Romantikerin. Sie wollte mir täglich einen Brief schreiben. Um Himmels willen, dann würde Montag ja schon der erste kommen. Brauchen Briefe durch die DDR hindurch nur einen Tag? Und das schlimme war, dass sie Antworten darauf wollte.

Kurz bevor ich wegdämmerte, musste ich noch an meine Freunde denken. Da waren Matthias, Ali, Knut und noch jemand, dessen Namen mir grade nicht einfiel. Wir waren eigentlich sehr gute Freunde, doch auch da war ich überzeugt davon, dass es nicht halten würde. Niemand kann einen regen Kontakt über 300 oder gar 350 Kilometer aufrechterhalten, das war unmöglich. Insbesondere, wenn auch noch ein gutes Stück gruselige DDR dazwischen lag. Mir kam aber eine tolle Idee: Ich würde mich bei keinem dieser Leute melden, ich würde warten, bis die sich melden, erst dann würde ich mich zeigen. Ich hatte ihnen meine Adresse in der Stresemannstraße hinterlassen und da mein Vater sich schon zeitig darum gekümmert hatte, wusste ich auch schon die neue Telefonnummer, die ich ihnen gegeben hatte. Wenn sich dann einer per Brief oder Telefon melden würde, wüsste ich, dass vielleicht eine Chance besteht, die Freundschaft aufrecht zu erhalten. Ich war gespannt, wer der erste sein würde. Ich tippte auf Matthias, denn Ali und Knut waren meist zu besoffen. Und der andere war eh nur so ein Mitläufer. Mir fiel sein Name grade wieder ein: Trottel. So hatte Ali ihn jedenfalls hin und wieder genannt.
Dann endlich schlief ich ein.

Rezension: NERD ATTACK! (Buch)

“Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook”. Christian Stöcker ist Chefredakteur der “Netzwelt”-Abteilung bei Spiegel Online und legt hier dieses Sachbuch vor. Es beginnt… mit den Anfängen, also noch vor den Zeiten des Commodore 64. Sobald es dann zu dem Thema C64 kommt, hat man dann auch den vergnüglichsten Teil des Buches zu fassen, denn jeder, der die Zeit miterlebt hat und so ein Gerät zuhause stehen hatte, wird sich hier mit dem Autoren identifizieren können. Doch aus Spaß wird dann auch bald wieder Ernst, denn Stöcker begibt sich aus den rein persönlichen Erinnerungen mit dem ersten richtigen Heimcomputer zur recherchierten Geschichte des Internets und insbesondere der Hackerkultur, die zwar weltweit (bzw. hauptsächlich in den USA) stattfand, die hier aber aus deutscher Sicht erzählt wird. Und auch deutsche Hackermeilenstein und Verschwörungstheorien (Karl Koch & Co.) kommen hier nicht zu kurz. Das Ganze geht dann langsam bis in die heutige Zeit hinein, also eben zu Twitter und Facebook, wie oben schon erwähnt. Stöcker beleuchtet allerdings nicht nur die Nerdszene an sich, sondern betrachtet parallel auch die politische und wirtschaftliche Lage, die maßgeblich an der Entwicklung des Internets beteiligt waren und sind. Ein großes Thema ist auch die Freiheit im Internet, die so selbstverständlich nicht ist und für die es sich lohnt zu kämpfen. Passend zu dem Thema: Die deutsche Politik kommt in dem Werk gar nicht gut weg, und dabei geht es nicht einmal um die Technikfeindlichkeit der Grünen und die Totalverbannung von PCs aus deren Büroräumen in den Anfangstagen, auch die heutige Politik stellt sich selbst immer wieder Armutszeugnisse aus, und zwar parteiübergreifend. Da das Buch 2011 veröffentlicht wurde, sind sogar “Die Piraten” schon ein Thema, allerdings noch nicht mit ihrem rauschenden Ergebnis in Berlin. Alles in allem ein gut geschriebenes, schnell gelesenes und über weite Strecken informatives Buch, das allerdings hier und da ruhig ein wenig mehr in die Tiefe hätte gehen können, um echte Nerds anzusprechen.

Rezension: NOISE AND RESISTANCE DVD

Noise and ResistanceThe Exploited haben nicht gelogen, als sie Anfang der 80er Jahre sangen „Punk’s Not Dead“. Aber Punk hat sich verändert im Laufe von nunmehr rund 35 Jahren seit die Sex Pistols zwar nicht als erste, aber doch als medienwirksamste Band eine kulturelle Revolution ausgelöst haben. Diese Revolution war weniger musikalischer Natur, als dass plötzlich wirklich jeder etwas machen und veröffentlichen konnte. Natürlich wurde die Revolution gleich kommerzialisiert, damit sich bloß nicht wirklich etwas verändern konnte, aber im Underground hat sich der Do It Yourself-Gedanke gehalten und zwar weltweit und sehr vielseitig.

Die beiden Filmemacherinnen Julia Ostertag und Francesca Araiza Andrade zeigen das in ihrem Film „Noise And Resistance“ sehr gut, wobei sie sich überwiegend (aber nicht nur) auf Punk konzentrieren und hierbei in Europa bleiben. England, Deutschland, Russland, Spanien, Schweden stehen im Mittelpunkt. Wobei natürlich das Leben als Punk und DIY-Künstler in Deutschland viel einfacher ist, als in Moskau, wo man sich als Untergrund-Aktivist hin und wieder wohl wirklich in Lebensgefahr begibt. Anhand von Interviews und vielen Konzertausschnitten in besetzten Häusern, abbruchreifen Fabriken, auf winzigen selbstgebauten Bühnen oder bei unkommerziellen Festivals wird eine Szene gezeigt, die zwar nicht homogen aber doch europa- und weltweit vernetzt ist. Ich gebe gerne zu, dass ich von den meisten, eigentlich sogar allen Bands (bis auf Crass und Rubella Ballet) noch nie gehört habe, aber man merkt ihnen an, dass sie etwas sagen wollen, ohne des Spaß dabei zu vergessen. Zu hören und zu sehen sind SEEIN RED, ANTIMASTER, DISFEAR, FALL OF EFRAFA, PERSONANGREPP, LA CASA FANTOM, SJU SVARA AR, TOM SAWYER, POLITZEK, TRANSICION, VALD, VICIOUS IRENE, SOOKEE, WHAT WE FEEL, RUBELLA BALLET und CRASS. Keine Frage, wenn man sich in dieser Welt bewegt, ist man politisch und hat was zu sagen, denn natürlich könnte man es sich viel bequemer machen. Bequem wollen die Aktivisten es aber nicht haben. Wie weit es mit dem Zusammenhalt wirklich geht, wenn es ernst wird, wird nicht klar. Einige russische Musiker werden wohl aus Sicherheitsgründen nur gesichtsverfremdet gezeigt, kaum vorstellbar, dass so etwas in Deutschland, Spanien, Schweden oder England notwendig wäre.
Ob es diese sich selbst als anarchistisch sehende Szene in dieser Art heute gäbe, wäre nicht Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre die englische Band CRASS in vollkommener Konsequenz aktiv gewesen, möchte ich bezweifeln. CRASS war wirklich weitgehend unabhängig, eher ein Kollektiv als eine Band und wahrscheinlich den großen Plattenfirmen unheimlich, weil sie sie nicht vereinnahmen und kommerzialisieren konnten. Klar, dass die Band also auch in diesem Film vorkommen muss. Die in die Jahre gekommenen Ex-Mitglieder haben nichts von ihrer Glaubwürdigkeit verloren, nehmen sich aber auch selbst nicht zu wichtig, obwohl CRASS wahrscheinlich eine der wichtigsten englischen Bands aller Zeiten ist. Und genau das ist wohl der eigentliche Inhalt des DIY-Gedankens: tu was, aber stell Dich selbst nicht in den Mittelpunkt.

Der Film fängt das alles als eine Art Collage gut ein, es werden viele verschiedene Sichtweisen und Standpunkte klar, es gibt Ausschnitte von sehr unterschiedlichen Bands und man wird als Zuschauer wirklich einmal quer durch Europa gejagt. Was mir etwas fehlt, ist Humor. Das alles kommt doch sehr ernst rüber und bedient das Klischee, dass politisch aktive Menschen keinen Spaß haben können. Hier wird wirklich kaum gelacht. Zum anderen hätten die Musikausschnitte gerne etwas länger sein können, wenigstens ab und zu mal ein ganzer Song hätte das Ganze ein wenig aufgelockert.
Trotzdem machen die knapp 90 Minuten Spaß, wenn man sich für den Punk-Underground jenseits von Blink 182, Green Day und Konsorten (die durchaus auch ihre Existenzberechtigung haben) interessiert. Als Bonus gibt es eine gute halbe Stunde nicht verwendeter Szenen, einen Trailer und erweiterte Interviews mit einigen Beteiligten. Um weltweit Zuschauer zu finden, erscheint die DVD regionalcodefrei und überwiegend in englischem Ton. Die größten europäischen Sprachen gibt es als Untertitelspuren, wobei sicherlich russisch fehlt. Und vielleicht hätte man sogar chinesische und arabische Untertitel spendieren sollen, denn in solchen Ländern könnte so eine Veröffentlichung wirklich etwas bewegen.

Ein guter Film, auch ein wichtiger Film und vor allem, und das sollte man nicht vergessen: ein unterhaltsamer Film. Frei nach Emma Goldman: „Wenn ich dazu nicht tanzen kann, ist es nicht meine Revolution!“

Die DVD erscheint in Deutschland beim Label Good!Movies und wird über Indigo vertrieben, sollte also problemlos erhältlich sein. Die Bildqualität ist gut, die Tonqualität, vor allem bei den Liveaufnahmen, ist schwankend, was aber nicht so sehr stört, wenn man bedenkt, unter was für Umständen teilweise gedreht wurde.

DVD – BRD 2012 – www.noise-resistance.de

Wir wünschen keine frohe Weihnachten!

Da wir ja unbedingt anders sein wollen als die anderen, wünschen wir an dieser Stelle einfach mal explizit keine “frohe Weihnachten”. Natürlich wünschen wir Euch auch keine schlechten Weihnachten, das wünschen wir ja niemandem, aber wir halten uns einfach zurück. Am liebsten würden wir ja gar kein Wort darüber verlieren, deshalb lassen wir an dieser Stelle einfach mal Musik sprechen. Und zwar den obligatorischen Weihnachtsmann von Charles Lindbergh n.e.V. (das Original ist aber von Blümchen Blau!)
Ach so, und einen guten Rutsch ins Jahr 2012 wünschen wir auch nicht. Aber das werden wir dann in einer Woche sein lassen.

Rezension: VCMG – EP1/Spock

VCMGWas für eine Sensation! Nach rund 30 Jahren tun sich Martin L. Gore (Depeche Mode) und Vince Clarke (Depeche Mode, Erasure, Yazoo) wieder zusammen und machen gemeinsam Musik. Beide zusammen haben mit ihren Bands (musste ich die überhaupt nennen?) die Musikgeschichte nachhaltig beeinflusst. Die zahl der Hitsingles, Nummer 1-Alben, ausverkauften Konzerte und vor allem der Fans ist unermesslich.
Warum also starten die beiden ein neues, kleines Projekt, wenn sie doch mit ihren Hauptaktivitäten genug zu tun haben und erfolgreich sind? Weil sie Lust dazu haben. Weil sie immer noch Herzblut-Musiker sind. Und weil sie zeigen wollen, dass sie es noch können.
Das zeigen sie mit der ersten Download-EP und 12“ „EP 1 / Spock“. Wer nun aber gedacht hat, hier gibt es den absolut perfekten Synthie-Pop für das dritte Jahrtausend zu hören, wird vielleicht enttäuscht sein. Klar könnten die beiden das machen. Die Idee war aber, mit modernem Techno-Sound zu experimentieren und das bedeutet: zurück zu den Wurzeln des Stils, also mit einem durchaus experimentellem Ansatz, extrem tanzbar und minimalistisch ohne jedwede Kirmes-Techno-Elemente und natürlich instrumental. Das ist nichts für die Charts und soll es wohl auch gar nicht sein. Ich bin zwar kein ausgesprochener Techno-Kenner, aber so ähnlich muss es wohl Ende der 80er Jahre bei den ersten illegalen Underground-Raves abgegangen sein. Absolut hypnotisch und aufgrund der Experimentierfreude auch für mich interessant und hörbar. Die Ursprünge bei der Electronic Body Music der 80er Jahre sind spürbar, aber „Spock“ klingt alles andere als altmodisch. Ich nehme stark an, dass der eine oder andere Mix des Stückes auf dieser EP auch in den Clubs für Bewegung sorgen wird. Für die Mixe hat man DJs und Produzenten engagiert, deren Namen mir zwar nichts sagen, die aber wohl in der Techno-Szene zu den Großen und Bekannten gehören. Dass die Veröffentlichungen auf Mute Records erscheinen, muss wohl kaum extra erwähnt werden.
Die 12“ enthält vier Mixe von „Spock“, die digitale Veröffentlichung einen mehr. Alle klingen deutlich unterschiedlich, gemeinsam ist ihnen aber eine gewisse Verspieltheit und, dass sie nicht unbedingt so klingen, als wenn sie unbedingt in den Charts Erfolg haben müssten, sondern, als wenn hier Electromusiker, die niemandem mehr etwas beweisen müssen, einfach aus Lust und Laune rumexperimentiert haben. Mein Favorit ist der „DVSI Voyage Home Remix“, der tatsächlich ein bisschen was von Recoils ersten beiden Platten hat. Ich bin auf das angekündigte Album gespannt. Und ja: diese Rezension ist bestimmt auch ein bisschen dadurch beeinflusst, dass Clarke und Gore meinen Musikgeschmack seit fast 30 Jahren nachhaltig geprägt haben und sie bei so einem Projekt von vorneherein einen kleinen Bonus haben. Trotz dieses subjektiven Vorsprungs finde ich die Musik aber auch ganz ehrlich gut. Und weil ich Recoil gerade schon erwähnt habe…warum holt man nicht gleich noch Alan Wilder hinzu? Das wäre doch ein echtes Traum-Trio!

12″EP/Download – Mute Records 2011

25 Jahre Short Live Concert

Genau heute vor 25 Jahren, am 16.12.1986 fand es statt, das legendäre, berüchtigte “Short Live Concert” in der Pausenhalle des Goethe Gymnasiums in Hamburg. Zur Feier des Tages spendiere ich Euch zwei Links mit Aufnahmen vom Konzert.
Demnächst hier im Blog dann auch noch mal ein großes Special.

Stadtreinigung Hamburg macht einen guten Job

Man kann ja über Behörden und städtische Unternehmen nur selten etwas wirklich Positives sagen oder schreiben. Zu oft muss man sich über schlechten Service ärgern und neigt dazu, gleich alles schlecht zu reden. Wenn es dann mal anders ist, soll das aber auch hier nicht unerwähnt bleiben.

Vergangenes Wochenende habe ich auf der Website der Stadtreinigung Hamburg gucken wollen, wie man umweltgerecht alte Videocassetten, MusicCassetten und Tonbänder entsorgt. Also mal in deren “Abfall ABC” geguckt und widersprüchliche Angaben gefunden:

? Audiocassetten
Dieser Abfall kann verwertet werden und gehört in die gelben Hamburger Wertstofftonnen und -säcke.

? Cassetten (Musik, Video)
Dieser Abfall gehört in die Hausmülltonne.

Tja, was denn nun? Also eine kurze Anfrage über das Kontaktformular geschickt. Viel erwartet habe ich nicht, wenn ich ehrlich bin. Die automatische Eingangsbestätigung kam umgehend. Der Text: “Vielen Dank für die Benutzung des Kontaktformulars. Ihr Anliegen wird in der Stadtreinigung bearbeitet” machte mir jedoch ein wenig Angst. Würde die Mail einfach im Papierkorb landen und entsorgt werden?

Eine erste “menschliche Reaktion” einen Tag später am Montag mit dem Hinweis, dass die Anfrage an die zuständige Stelle weitergeleitet wurde. Und bereits am Dienstag, also nur knapp zwei Tage später, hatte ich eine persönliche Mail (keine Textbausteine oder so) im Postfach:

“Sehr geehrter Herr Pxxxx!
Vielen Dank für den Hinweis. Das war in der Tat widersprüchlich.
Alle Video- und Musikcassetten und auch alte Tonbänder gehören in den Hausmüll. Sie bestehen zwar hauptsächlich aus Kunststoff und/oder Metall und sind damit stofflich für die Wiederverwendung geeignet, die Sortiermaschinen haben aber sehr große Probleme mit den Bändern, die sich um die rotierenden Teile legen. In der Müllverbrennungsanlage gibt es diese Probleme nicht.
Das Abfall-ABC habe ich eben entsprechend geändert.
Mit freundlichen Grüßen
Axxxxx Mxxxxx
Kommunikation und Innovation”

Das finde ich im kleinen Rahmen durchaus beeindruckend:
1. eine persönliche Mail
2. Eingeständnis, dass man einen Fehler gemacht hat
3. Hinweis, wie man es richtig macht
4. Erklärung, warum das so ist
5. Ankündigung, den Fehler zu berichtigen

Und tatsächlich ist die Widersprüchlichkiet im “Abfall ABC” bereits korrigiert.
Besser geht es nun wirklich nicht, so sollten Kundenanfragen bearbeitet werden.
Ich weiß das, ich arbeite selber in der Kundenbetreuung eines großen Unternehmens.

http://www.stadtreinigung-hh.de/