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Gefahr”
Es war voll früh. Meine Mutter riss die Tür auf und schrie, dass der Umzugswagen da sei, und obwohl die Umzugsleute ja dafür bezahlt werden, stand mein Vater aus lauter Solidarität im Blaumann da. Handwerker seien da sehr empfindlich, wenn man so täte, als sei man besser als sie. Nach einem kleinen Streit mit dem guten Mann, blieb ich einfach im Bett liegen und ließ die Umzugsleute um mich herum werkeln, ich hatte da kein schlechtes Gewissen, denn immerhin war ich später als die im Bett gewesen, also dürfte ich natürlich auch länger schlafen. Als die Herren wieder weg waren, wollte meine Mutter, dass ich sofort mit dem Auspacken anfangen würde, mir war aber klar, dass ich beim kleinsten Versuch, aufzustehen, sofort kotzen müsste. Ich schlief noch bis 16:45 Uhr, guckte dann und legte mich noch eine Stunde hin, nachdem ich das erste Mal die Tapete in meinem Zimmer gesehen hatte. Meine Mutter hatte recht, es war ganz klar, dass hier eine von diesen modernen Raufasertapeten ran musste. Und weiß musste sie sein. Oder sogar schwarz. Dann stand ich auf und öffnete den Karton, in dem ich meine Stereoanlage eingepackt hatte. Die hatte ich einst zur Konfirmation bekommen. Jeder hatte die Konfirmation nur gemacht, um eine Stereoanlage zu kriegen.
Ich baute die Stereoanlage von Schneider auf einem der Kartons auf und suchte aus einem anderen meine Schallplatten raus. Ich legte dann „The Scream“ von Siouxsie And The Banshees auf und hörte das, allerdings in gedämpfter Lautstärke, da ich immer noch sehr lärmempfindlich war. Irgendwie musste ich die Zeit bis zum Abendessen totschlagen, danach wollte ich wieder Richtung Fabrik geben, um möglichst diesen Typen von gestern zu treffen. Ich hoffte, ich würde ihn wiedererkennen. Vielleicht würde er mir noch ein paar interessante Plätze hier in Hamburg zeigen. Meine Eltern ließen mich wenigstens in Ruhe, niemand klopfte mehr an meine Tür.
Nach dem ansonsten sehr wortlos von statten gehenden Abendessen verschwand ich sofort. Mir war klar, dass ich viel zu früh war, doch ich musste raus aus der Wohnung und die frische Luft hatte ich auch dringend nötig. Langsam ging ich zur Fabrik, holte mir unterwegs Zigaretten und rauchte eine. Es schmeckte wie immer widerlich, ich wusste gar nicht, warum ich ständig rauchen musste, eigentlich war das gar nicht nötig, machte einen doch nur krank, jedenfalls hörte man das ja immer wieder. Aber egal, es musste jetzt einfach sein. Ein junger Mann meines Standes musste so etwas auch tun, das gehörte sich einfach so. Aus einem Imbiss holte ich mir ein Sechserpack Bier, dann setzte ich mich vor der Fabrik auf den kleinen Platz und machte es mir erst einmal gemütlich. Ich war froh, dass ich mich einigermaßen warm angezogen hatte, denn es wurde arschkalt. Und das Bier wärmte auch nicht gerade. Liebend gerne hätte ich einen wärmenden Kaffee getrunken, aber ich hatte nun mal Bier gekauft. Mir war klar, dass das Warten womöglich sehr lange dauern könnte, mit etwas Pech hätte der Typ eh glatt vergessen, dass wir uns hier treffen wollten. Oder er erkannte mich gar nicht. Oder wir erkannten uns nicht. Es gab so viele Möglichkeiten, dass wir uns verpassten. Man weiß ja nie, was so alles passieren kann.
Da es April seit heute war, war es inzwischen auch stockdunkel, und bitterkalt war es zudem. Ich dachte über Julia nach, die mich angeblich über alles liebte. Warum aber hatte sie dann heute nicht angerufen? Interessierte es sie womöglich überhaupt nicht, was hier los war, wie es ihrem ach so tollen Schatz erging? Hatte sie vielleicht schon einen Neuen? So schnell? So sind die Frauen halt. Mir sollte es aber nur recht sein, ich war immer noch der Meinung, dass so eine Fernbeziehung keinerlei Chance hätte und vielleicht hatte ich Glück und sie meldet sich einfach nicht mehr, sodass ich nunmehr frei wäre. Doch trotzdem ärgerte es mich, dass sie sich nicht meldete.
Ich trank bereits mein drittes Bier, es war so gegen 22 Uhr, als der Kerl endlich kam. Zumindest glaubte ich, dass er es war…





